US-Zölle : Welche Auswirkungen auf die Finanzmärkte?
Donald Trump kündigte am 2. April wechselseitige Zölle für die ganze Welt an. Der vom US-Präsidenten angekündigte Mindestsatz von 10% für alle Länder ist bemerkenswert hoch. Einigen Ländern wurde außerdem ein deutlich höherer Satz auferlegt, um den jeweiligen Zollschranken Rechnung zu tragen.
Finanzminister Scott Bessent stellte klar, dass diese Niveaus Höchstwerte sein würden, solange die Länder keine Gegenmaßnahmen ergreifen. Sie könnten auch sinken, wenn bilaterale Vereinbarungen getroffen werden. Auch wenn Verhandlungen also möglich sind, bleibt das Risiko, dass die angekündigten Zölle lange Zeit bestehen bleiben oder sogar Länder zu Vergeltungsmaßnahmen greifen könnten.
Welche Auswirkungen haben diese Ankündigungen auf die Finanzmärkte?
- Die Ankündigung der Zölle bestätigt, dass Donald Trump Freihandelsabkommen und die Art und Weise, wie der Welthandel heute organisiert ist, nicht mag und sie für die USA als ungerecht empfindet;
- Es wird sich zeigen, wie die anderen Länder reagieren werden. Es ist aber klar, dass - ebenso wie das Zeitalter der Globalisierung den Aktienmärkten (vor allem die der Industrieländer) sehr förderlich war - eine Rückkehr zum Protektionismus (oder schlimmer noch, ein Handelskrieg) für sie ungünstig wäre;
- Entgegen der allgemein verbreiteten Meinung könnten die Auswirkungen der angekündigten Zölle nach einem möglichen ersten inflationären Schock tatsächlich deflationär sein. Gleichzeitig wird sich das Wirtschaftswachstum verlangsamen. Die Reaktion der Anleihemärkte (Rückgang der langfristigen Zinsen) ist daher logisch;
- Für den Dollar sollten die langfristigen Auswirkungen eines möglichen ausgeglichenem US-Handelsdefizits positiv sein. Ein Wegfall des Defizits würde das Angebot an Dollar reduzieren. Das Spiegelbild des US-Handelsdefizits ist der US-Kapitalbilanzüberschuss (Kapitalzuflüsse in die USA). Der Rückgang des einen muss zu einem Rückgang des anderen führen. Wenn, wie Donald Trump sagt, die Struktur des Welthandels für das verarbeitende Gewerbe in den USA ungünstig war, war sie andererseits für den Finanzsektor und den Aktienmarkt in den USA sehr günstig. Die Nachfrage nach US-amerikanischen Finanzanlagen wird daher, wenn die Maßnahmen der US-Regierung greifen, zurückgehen. Dies wird zu einem Ende der Outperformance des US-Aktienmarktes führen, wie wir es bereits auf unseren Konferenzen zu Beginn des Jahres hervorgehoben haben;
- Amerikanische Large Caps scheinen besonders gefährdet zu sein, da sie überproportional von den Kapitalzuflüssen profitiert haben und ihre Bewertungen nach wie vor hoch sind. Unter ihnen könnten die großen Technologieunternehmen Gegenstand von Vergeltungsmaßnahmen der Europäischen Kommission werden, zumal ihre Annäherung an die Trump-Regierung die Aufmerksamkeit der europäischen Regulierungsbehörde auf sich ziehen könnte;
- Zunächst dürften die Aktienmärkte alle ähnlich reagieren. Vor allem da der US-Markt oft den Ton für andere Märkte, vor allem für Europa, angibt. Die angekündigten Zölle werden das Wachstum und damit die Gewinne der Unternehmen beeinträchtigen. Gleichzeitig werden sich die Anleger weiterhin Sorgen über die inflationären Auswirkungen dieser Zölle machen. All dies spricht kurzfristig nicht für eine nachhaltige Erholung der Aktienmärkte. Auf der positiven Seite bleibt die Möglichkeit, dass die Zentralbanken ihre Geldpolitik lockern und einige Länder größere Stimulierungsmaßnahmen ankündigen;
- Abgesehen von diesen kurzfristigen Überlegungen markiert das neue Umfeld auch die Wende zum aktiven Management. Dabei gilt es, zwischen Regionen, Ländern, Branchen und sogar zwischen Unternehmen innerhalb einer Branche zu differenzieren. Bei Luxusgütern, muss man beispielsweise zwischen Unternehmen unterscheiden, die sich an eine sehr zahlungskräftige und wenig preissensible Kundschaft wenden, und solchen, die sich an eine aufstrebende („aspirational“) Klientel wenden, zwischen Unternehmen mit Produktionsstätten in den USA (die es ihnen ermöglichen die Zölle dadurch zu umgehen, dass sie die Produkte, die sie in den USA verkaufen auch dort produzieren) und Unternehmen ohne Produktion in den USA usw.;
- Eine Rückkehr zum Protektionismus birgt die Gefahr einer Rückkehr zu einer Art Finanznationalismus, der die einzelnen Länder (oder Regionen) dazu veranlasst, wieder „zu Hause“ zu investieren. Dies begünstigt die Finanzmärkte und die Währungen von Ländern wie Japan, die große Handelsüberschüsse haben;
- Das Wirtschaftsprogramm der Trump-Regierung wird den Wunsch vieler Länder, ihre Abhängigkeit vom Dollar zu verringern, nur noch verstärken. Gold wird weiterhin von dieser Situation profitieren.
Datum der Veröffentlichung: 03/04/2025.
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